Wer heute die Laterne des Lebendigen Adventskalenders am Museum Rittergut suchte, wurde erst auf den zweiten Blick fündig. Denn draußen tobte ein Sturm, weshalb Museumsleiterin Dana Därr die Laterne in windstille Sicherheit gestellt hatte. Drinnen war es heimelig: eine kleine Ausstellung im Erdgeschoss zeigte Exponate des Alltags weit zurückliegender Zeiten. „Dinge von Oma und Uroma“, so Därr. Das Jahr 1919 stand auf einem dekorativen Tuch kunstvoll gestickt. Ein Waschbrett aus Glas, ein ungewöhnlicher Dosenöffner. Die Personen, denen es gehörte, sind unwiederbringlich entschwunden, es bleiben die Gegenstände, mit denen wir uns in deren Vergangenheit träumen können.

Wie passend, dass das Museum im ältesten erhaltenen Bauwerk der Stadt Frankenberg untergebracht ist. Wie durch ein Wunder blieb das Gebäude von den beiden verheerenden Brandkatastrophen, die in den Jahren 1712 und 1788 die Stadt heimsuchten, verschont.

Aber wie geht es nun weiter mit dem Museum, von dem viel Inventar in das bald eröffnende Gemeinschaftsmuseum Zeitwerkstatt umziehen wird? „Das ist derzeit nicht bekannt“, so Därr. Hoffen wir, dass das älteste Haus Frankenbergs, was so viel im Laufe der Jahrhunderte erlebt hat, nicht lange leerstehen und sich Frankenberg seiner traditionsreichen Geschichte würdig zeigen wird.

Im Obergeschoss gab es erstmals nahezu alle Gemälde der letzten zehn Jahre von Dana Därr zu sehen. Zahlreiche Fabelwesen, stolzierende Blumen und Wölfe bevölkerten die altmeisterlich in handwerklicher Präzision gestalteten, aufwändigen Ölmalereien. Vielleicht ist das auch ein Ausweg aus dem uns umgebenden, unerbittlich durchkommerzialisierten Alltag: das grenzenlose Reich der Phantasie, welches allen offen steht, die die Fähigkeit haben, Schönes wahrzunehmen und sich ein Stück kindliche Neugier bewahrt haben.

In diesem Sinne danken wir dem Museum für das schöne Türchen und laden in die nicht minder fantastische Welt des Karnevals ein, wenn morgen der Frankenberger Carnevalsverein seine Tür im Haus der Vereine öffnet.