Tür 16: Kino ist Heimat

Geschichten aus dem Welt-Theater standen heute auf dem Programm, als das Kino zum 16. Türchen des Lebendigen Adventskalenders lud.

Der große, rote Vorhang öffnete sich, und man sah drei wohlbekannte Personen: Filmvorführer Thomas Zschemisch, Kinochef Falk-Uwe Langer,  und Matthias Hanitzsch, die der Reihe nach heitere und besinnliche Anekdoten von der Kinorettung preisgaben.

Thomas Zschemisch erzählte, wie die Leinwand ins Welt-Theater kam, nämlich aus dem ehemaligen Parteikino in Mittweida. „Die Leinwand dort war richtig gelb, weil dort viel geraucht wurde“ beschrieb er. Dort war eine große Leiter, die manch Höhenangstgeplagten auf die Probe stellte. Der Satz „Die Leiter, die hält“, Zschemisch damals zugerufen, ist unvergesslich, sagt er lachend.

Weiter ging es mit Falk-Uwe Langer, der auf einem mächtigem Sessel thronte. „Auf diesem Stuhl saß 2011 schon die Schauspielerin Ursula Karusseit, als sie hier eine Lesung gab“, sagte er und wird nachdenklich: „Gespendet wurde er von unserem Mitglied Monika Wenzel, die dieses Jahr verstorben ist.“ Aber auch Gojko Mitić, der „Winnetou des Ostens“, war hier zu Gast und nahm in diesem Stuhl platz. Langer vergisst nicht den Rat, welchen er von ihm bekommen hat: „Auch mit über 70 Jahren aus dem Stand auf’s ungezäumte Pferd zu springen.“

Als Dritter im Bunde sahen wir Matthias Hanitzsch melancholisch ans Klavier gelehnt. „Ein älteres Ehepaar aus Chemnitz hatte es uns geschenkt“, berichtet er. „Allerdings stellte sich heraus, dass es in einem Hochhaus war, und da es nicht in den Aufzug ging, musste es durchs Treppenhaus bugsiert werden.“ Da auch der Laster zu klein war, musste man noch schnell einen größeren organisieren. „Als es dann im Kino war, bemerkten wir erst, dass es ein Pianola ist!“ Ein Pianola ist ein Selbstspielklavier: Das erste Pianola wurde übrigens im Jahre 1895 von Edwin Scott Votey in Detroit gebaut. Diese Apparatur mit der Walze fehlt aber im Welt-Theater-Pianola, weshalb man es auch als Klavier nutzen kann. Und Hanitzsch gibt einen kleinen Ausblick: „Wir planen im nächsten Jahr einen Stummfilmtag, bei welchem wir mit dem Pianola die Filme begleiten wollen“.

Das Welt-Theater hatte ursprünglich seit seiner Eröffnung im Jahre 1937 650 Sitzplätze, heute allerdings 149, „damit der Brandschutz eingehalten wird“, so Langer. Seit Beginn der Kinorettung im Jahre 2009 wurden zahlreiche Filmkopien im ganzen Haus gefunden, die jetzt ins Kinoarchiv eingegangen sind. „Das Kino ist unsere Heimat“, sagten die drei Macher. „Auch dieser Sessel, das Klavier und die Leinwand sind Heimat“, und schlossen mit dem Appell: „Werfen Sie nicht sofort alles weg, denn später hängt Ihr Herz daran, weil Sie schöne Erlebnisse damit verbinden.“

Und in der Tat: wohl kaum jemand hätte vor zehn Jahren gedacht, dass das Welt-Theater wieder einmal so funkeln würde und als Zelluloid-Filmpalast in seiner ursprünglichen Funktion wiederaufstehen würde, wenn sich damals nicht ein paar kinobegeisterte Bürger mit viel Fleiß dafür eingesetzt hätten.

Im Anschluss gab es eine 35mm-Filmvorführung des Spielfilms „SOS Eisberg“ aus dem Jahre 1933 vom Naturfilmes Dr. Arnold Fanck. Gewissermaßen wirkte es wie die Fortführung des heutigen Adventskalenderthemas, da auch die Naturaufnahmen der kalten Polarwelt unwiederbringliche Eindrücke aus längst vergangenen Zeiten sind. Der Film hält sie über die Jahrhunderte hinweg fest und ermöglicht auch heutigen Generationen, sie immer wieder neu zu entdecken.

Morgen Abend öffnet der Kalender am Baderberg 5 beim Atelier Hacker.

Text und Fotos: Patrick Müller

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