Der Aufstand beginnt als Spaziergang: Premiere von „Du, Hamlet“ im Welt-Theater.

Heiner Müller sagte einst: Voraussetzung für lebendiges Theater ist ein gewisser Überschuss an krimineller Energie. Als Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums am Freitagabend im Welt-Theater die Premiere des Theaterstücks Du, Hamlet feierten, war dies überall spürbar. Die ausverkaufte Produktion wurde dabei frei nach Heiner Müllers Hamletmaschine gestaltet. Gleich zu Beginn geht es um nichts weniger als um Sein oder Nichtsein: Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden oder, dich waffnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden? Da sind wir bei Shakespeare, wenn die Darsteller mit Totenmaskenbemalung auf der Bühne erscheinen. Und bald auch bei Heiner Müller, wenn es heißt: „Der Aufstand beginnt als Spaziergang. Gegen die Verkehrsordnung während der Arbeitszeit. Die Straße gehört den Fußgängern.“ Geschickt wird das Schauspiel immer wieder mit Videoprojektionen ergänzt, die Patrick Berthold gestaltet hat.

Foto: U. Kirchübel

Foto: U. Kirchübel

Neben Texten von Shakespeare und Heiner Müller wurden aber auch starke eigene Texte verarbeitet, wenn es eindringlich heißt: Als Kinder konnten wir noch Luftschlösser bauen und einander lieben. Irgendwie ist das alles auf der Strecke geblieben, weil es doch so viel Wichtigeres gibt, als zu tanzen, zu lachen, zu wissen, wie man liebt. Die auferlegten Pflichten aufrecht zu tragen, Das was wir leisten, nicht das, was wir sagen. Das ist wichtig. Wichtig geworden.

Diese Zeilen stammen von Jonas Kutzschbach, der auch im Stück mitspielt. „Wir haben das Werk Müllers durchforstet nach Stellen, mit denen wir uns identifizieren können, die uns heute noch etwas sagen und haben auch viele eigene Texte verwendet“, sagt er. „Wir waren anschließend überrascht, wie gut das klappt und wie wohl wir uns dabei fühlen.“ Das bislang 40minütige Stück soll künftig weiter ausgebaut werden, und auch ein Gastspiel im Schauspielhaus Chemnitz steht an. Für die gelungene Regie zeichnete Lysann Schläfke verantwortlich. Ein mehr als gelungener Auftakt für das Heiner-Müller-Jahr. Wir danken dem Martin-Luther-Gymnasium und dem ganzen Ensemble für diese außergewöhnliche Premiere. Am 5. Mai geht es weiter, wenn Müller-Biograf Christoph Hauschild nach Frankenberg kommt.
Text: Patrick Müller

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