Wir gratulieren unserem „Nackschen Mann“ zum 100-jährigen Jubiläum. Diese Gelegenheit möchten wir nutzen, um die recht turbulente Entstehungsgeschichte des Brunnens zu erzählen. 

„Nach langjährigen Bemühungen war es im Jahre 1914 gelungen, aus den Mitteln des sächsischen Kunstfonds auf Vorschlag des Akademischen Rates in Dresden eine nennenswerte Summe zur Errichtung einen Zierbrunnens auf unserem jetzt noch schmucklosen Marktplatz zu erhalten.“ Frankenberger Tageblatt, 30. März 1921

Frankenberg bewarb sich demnach in Dresden bei dem sächsischen Kunstfonds für einen Zierbrunnen. Sie hatten Glück und gewannen den Zuschlag. Finanzierung, Gestaltung und die Auswahl des Künstlers Artur Lippert (35 Jahre) wurde vom Akademischen Rat aus Dresden im Gesamtpaket vorgeschlagen. 

Artur Heinrich Lippert, geboren am 13. Januar 1879 in Waldheim, Sohn eines Stuhlbauers, begann eine Lehre als Holzbildhauer und studierte nach einer langen Wanderschaft durch Österreich, Frankreich und die Schweiz an der Dresdner Kunstgewerbeschule. Er absolvierte das Meisterstudium an der Dresdner Kunstakademie bei Robert Diez. Robert Diez war ein Meister für Kunst-Brunnen (z.B. der Gänsediebbrunnen in Dresden).

Vorgestellt wurde ein Brunnen, in Sandstein gearbeitet, unter dem Thema „ARBEIT UNSER SEGEN QUELL“.  Ein achteckiger Brunnenkörper mit einer hohen Säule, auf der ein kraftvoller Arbeitsmann steht, mit aufrechtem Stand nach getaner Arbeit. Zwischen den Beinen steht ein fertiges Haus mit Turm. Auf der Schulter hält er einen großen Hammer. Zugleich hat er noch ein Textil in der Hand, welches mit leichtem Faltenwurf auf derselben Schulter liegt. Es kann sein Hemd oder eine Fahne sein. Diese Pose passte in allen Regierungsformen. Entworfen in der Kaiserzeit, gebaut in der Weimarer Republik, überdauerte das Kunstwerk die NS- sowie die DDR-Zeit.  

Leider brach 1914 der Erste Weltkrieg aus und Artur Lippert wurde eingezogen. Es existiert noch ein Brief Lipperts von der Front an die Stadtverwaltung, dass die Herstellung des Brunnens gleich nach dem Krieg beginnen wird. Stadtarchiv Frankenberg.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges konnte Herr Lippert die Erschaffung des Brunnens angehen. Doch mit Beginn der Inflation wurden der Sandstein und alles Weitere derart teuer, dass das Geld des Kunstfonds nicht mehr ausreichte. Es fehlten 15.000 Mark. Am 30. April 1921 wurde im Frankenberger Tageblatt ein großer Spendenaufruf gestartet. Ein Modell des Brunnens wurde im Schaufenster des Hauses Markt 12 bei dem Kürschnermeister (Pelzhandwerksmeister) Zschau aufgestellt. Jetzt wurde der Wiederaufbau Deutschlands in die thronende Figur hineingedeutet, um möglichst schnell das fehlende Geld aufzutreiben.

Es folgten noch zwei weitere Zeitungsartikel aus denen hervorgeht, dass niemand so richtig spenden wollte, da wohl der Brunnen nicht richtig gefiel und die Stadt doch Notwendigeres auszuführen habe. Es wurde nochmals betont, dass Frankenberg keine Wahl hätte. „Sie hat den Brunnen anzunehmen, wie er ihr von der Regierung schenkungsweise überwiesen wird.“ es wurde darauf hingewiesen, dass der Plan bereits vor dem Krieg beschlossen war. Frankenberger Tageblatt, 19. April 1921

Am 7. August 1921 war es dann so weit. Nach dem Sonntagsgottesdienst 10.30 Uhr wurde der auf hoher Säule stehende Arbeitsmann mit einem einstündigen Konzert des Stadtorchesters Frankenberg eingeweiht. Der Wasserlauf wurde in Betrieb genommen. Frankenberger Tageblatt, 6. August 1921 

Dank des Postaer Sandsteines aus Pirna, der absolut frost- und witterungsbeständig ist, und mit seiner schwarzen Patina eine perfekte Schutzschicht bildet, erstrahlt die Figur nach 100 Jahren noch immer in vollem Glanz mit all seinen Details.

Text: Marcel Kabisch, 2021