Rund 60 Gäste kamen heute Abend zur festlichen Vernissage unserer großen Ausstellung Frankenberger Ansichten 2, bei der Grafiken, Landkarten und Kupferstiche aus dem 16.–19. Jahrhundert gezeigt wurden. Der Kunst- und Kulturverein hatte unter der Kuratierung von Vereinsvize Marcel Kabisch dafür ein Jahr lang die sächsischen Archive durchstöbert.

Laudator Dr. Reinhard Jeromin, bekannt als Autor zahlreicher Publikationen zur Stadtgeschichte, legte den Fokus darauf, dass Karten auch immer den Interessen der Auftraggeber entsprachen. In einem unterhaltsamen Vortrag zeigte er beispielsweise eine Karte aus Ost-Berlin, bei der der Westteil nicht zu existieren schien. Oder aber eine Karte aus der Ausstellung, die dazu diente, potentielle Geldgeber für den Bergbau in Frankenberg anzulocken. Städte, die heute groß und bekannt sind, gab es anderswo hingegen damals noch nicht.

Dass die Ausstellung für alle Geschmäcker ist, zeigen aber auch die zahlreichen Kupferstiche von Landschaften, wie von der Sachsenburg. „Manche Ansichten sind aber auch trügerisch“, wies Marcel Kabisch hin, der die Ausstellung konzipiert hat. Es gibt auch fehlerhafte Kopien, „das nannte man dann schlecht abgekupfert“, sagt er. Amtsleiterin Schneider wies auf die schönen Räumlichkeiten der Leo-Lessig-Kunststiftung hin, die hier erstmals dem Kunst- und Kulturverein zugänglich gemacht wurden.

Die liebevoll in Passepartouts präsentierten Exponate werden erstmals durch einen „Rundweg für Kinder“ ergänzt. Auf gelben Schildern werden die Kleinen dabei auf versteckte Details aufmerksam gemacht oder es gibt Ausgaben wie „Finde den Hut, oder finde das Gasthaus“.

Für viel Spaß und sorgte eine aktueller Holzriss von Dietmar Weickert, der satirischer Kommentar Landvermesser Zirner beim Vermessen weiblicher Rundungen zeigt.

Ein besonderes Exponat war die Bahnsche Chronik, aus welcher das Plakatmotiv stammt. Das Ehepaar Hellwig hatte es 2017 dem Kunst- und Kulturverein als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Für die musikalische Einstimmung sorgten Luisa Rein (Akkordeon) und Antonia Langenhahn (Klarinette), Sekt, Saft und Canapés sorgten für das leibliche Wohl. Die Vernissage war ein großer Erfolg, die Gäste studierten und diskutierten drei Stunden lang die Exponate.

Besonders war, dass zahlreiche Lupen auslagen, mit denen die Besucher die detaillierten Karten erkunden konnten.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. April 2020 und hat jeweils donnerstags bis sonntags 14–16 Uhr geöffnet.

Sie haben die Vernissage verpasst? Kein Problem! Denn erstmals werden wir wegen des großen Publikumsinteresses eine Finissage anbieten. Am Mittwoch, den 29. April 2020 um 19 Uhr wird dabei Dr. Reinhard Jeromin, Publizist zahlreicher Werke zur Stadtgeschichte, exklusiv und vorab aus seinem bald erscheinenden Band 7 der Reihe Frankenberg – Geschichte in RealitätWahrnehmung und Bewußtsein lesen. Sie sind bereits heute herzlich dazu eingeladen!